EPT Prag – Astrid & Herwig waren dabei

Liebe Freunde vom PCP!

Vor einiger Zeit kam bei Astrid und mir der Gedanke auf, auch ein Event bei der EPT in Prag zu spielen. Nach Durchsicht des Turnierplans einigten wir uns, beide das Senior Event zu spielen. Der Entschluss war schnell umgesetzt und so ging es am vergangenen Freitag auf die Reise in die „Goldene Stadt“.

Das Turnier:

Spielort: Prag
Spielstätte: Hilton Atrium
Bewerb: Event #31 – „Senior Event“
Buy-in: EUR 200,00 + EUR 20,00
Teilnehmeranzahl: 92 Spieler
Bezahlte Plätze: 13 Spieler

Datum: 13.12.2014
Beginn: 14:00 h
Startstack: 10K
Leveldauer: 30 min.

Wir kamen recht früh am Freitag Vormittag in Prag an und der erste Eindruck war perfekt. Die Location, das Hilton Atrium, ist unglaublich. Wir waren schon in zahlreichen Hotels weltweit, aber dieses zählt definitiv zu den besten. Dort zu spielen, das hat schon etwas. Alleine die gigantische Lobby, das Atrium (deshalb auch der Beiname des Hotels) mit ca. 50 Metern Höhe ist beeindruckend. Da wir aber am Freitag noch sehr viel Zeit hatten, ging es einmal auf eine ausgedehnte Tour durch die Prager Altstadt. Diese ist sehr sehenswert, so wir schon da beschlossen haben, sicher einmal wiederzukommen. Leider waren wir am Nachmittag doch etwas müde und legten uns im Hotelzimmer hin. Am Abend gingen wir nur noch etwas essen, sahen uns im Hotel in den zahlreichen Geschäften um und das war es dann. Am nächsten Tag hatten wir ja unser Turnier. Am nächsten Tag erfuhren wir (wir hatten am Anreisetag einfach darauf vergessen zu fragen), dass am Freitag Abend die „berühmte“ Players Party mit zahlreichen Poker Pros uns sonstigen Persönlichkeiten in der Cloud 9 Sky Bar & Lounge des Hilton stattgefunden hatte. Im Nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich gut, dass wir diese verpasst haben. So kamen wir wenigstens ausgeruht am nächsten Tag zum Turnier.

Turnierverlauf: Herwig

Mein Tisch war mit zwei Poker-Pros aus dem Libanon garniert. Sich mit denen zu unterhalten war zwar lustig, aber von der Spielweise her wehte ein rauhes Lüfterl. Sprich: Es gibt kein Limpen und es wird jede Setzrunde grundsätzlich mit einem Raise eröffnet. Gut, das ist ja bei solchen Turnieren und Gegnern nichts Neues. Leider erwischte ich vom spielerischen Einstieg ins Turnier nicht den besten Verlauf und gerade den wollte ich nicht mit Bluffs bzw. Semi-Bluffs einläuten. Dennoch ging ich nach vier gespielten Levels mit Average-Stack in die erste Pause. Auch danach konnte ich immer meinen Stack halten, aber Ihr wisst sicher was ich meine – ich kam nicht so richtig auf Touren. Am Beginn des sechsten Levels verlor ich unglücklich eine Hand mit AQs gegen TT. Das kostete mich richtig viel, aber man muss eben auch solche Spots treffen. Dennoch blieb ich konzentriert, verwertete meine Chancen und kam auch nach sieben gespielten Levels in die zweite Pause (wiederum 15 Minuten).

Danach konnte ich zwar wieder einiges aufholen, aber es lief nicht ganz „rund“. Anfang des zehnten Levels hatte ich mit JJ eine Entscheidung zu treffen. Entweder geht das durch und es ist wieder alles im Lot, oder … . In dieser Hand lief ich gegen AKo und sah am Flop leider einen K. Das war es dann mit dem Turnier. Das ergab zwar einen Platz im vorderen Mittelfeld, was aber nicht meine Vorstellung war. Nur, an diesem Tag hatten wir ja noch ein Ass im Ärmel – Astrid. Nun setzten wir auf ihr Spiel und es sollte nicht umsonst sein.

Turnierverlauf: Astrid

Bei der EPT in Wien schied ich knapp vor dem Final Table und dem Geld aus. Diesmal wollte ich unbedingt ins Geld kommen. Von Anfang an war ich überhaupt nicht nervös, legte viel Zeit in die Beobachtung meiner Gegner und die Umsetzung meines spielerischen Konzeptes. Ich spielte viel mehr Hände und ließ mich am Tisch nicht herumschupfen – von niemandem. Zur ersten Pause hatte ich zwar 2.000 Chips verloren, aber das gehört zu einer offensiveren Spielweise dazu. Nach der ersten Pause ging es in der selben Art und Weise weiter. Ich spielte konzentriert, verbrannte nicht unnötig meine Chips, ging aber nicht vom Tempo herunter. Das war es auch, was mich über Average in die zweite Pause brachte.

In der Zwischenzeit traf es Herwig am Tisch vor mir. Gut, blöd gelaufen – aber in dieser Situation ließ ich mich von nichts aus der Ruhe bringen. Durch meine aktive Spielweise hatte ich in der Zwischenzeit fast 50.000 Chips und überhaupt keinen Stress in die dritte Pause zu kommen.

Danach ging es mit Level 12 weiter. Das Feld hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf 20 Spieler und nur mehr drei Tische reduziert. Die Blinds lagen bei 1000/2000/ 200 und das bei short-handed gespielten Tischen (7/7/6). Da wusste man, dass jede zu treffende Entscheidung eine spielentscheidende war. Es wurde nun grundsätzlich ruhiger und noch überlegter gespielt. Es galt jede Hand intensiver zu hinterfragen. Welche Range hat der Gegner?, Welche Hände wird er bei einem Raise von mir wegwerfen?, Gegen welche verbleibende Range meines Gegners spiele ich dann? Welche prozentuellen Chancen habe ich mit meinen Handkarten gegen die Handkarten meines Gegners, die dieser nicht wegwirft?, Welchen Einsatz muss ich in den Pot bringen, um mitzuspielen?, Wie stehen meine Chancen zum Aufwand in den Pot? – und das jede Hand.

Dazu kam, dass nun schon ca. 7 Stunden seit Turnierbeginn vergangen waren. Es war wichtig nicht nur konzentriert zu bleiben, sondern auch die körperliche Anstrengung wegzustecken. In der Phase setzte ich alle meine Vorsätze um, auch als es Ende Level 12 in die Bubble-Phase ging. Zu diesem Zeitpunkt waren nur mehr 15 Spieler im Turnier – und das bei bezahlten 13 Plätzen. Irgendwann erwischte es einen und es musste nur mehr ein Spieler ausscheiden. Ab danach wurde Hand für Hand gespielt. Ich dachte gar nicht daran, wieder knapp am Preisgeld vorbeizuschrammen. Wir hatten in der Zwischenzeit Level 13 bei Blinds von 1200/ 2400/ 300. Die Spannung war zu spüren. Aber sogar in der Zeit stellte ich einen Spieler all-in – und ich wusste, das geht gut aus. Kurz danach war es gelaufen. Der Turnierdirektur gratulierte per Mikrofon den letzten 13 Spielern, dass sie im Geld waren. Endlich war es geschafft.

Nach Level 14 ging es ins Dinner-Break. Dieses war mit einer Stunde angesetzt. Der Turnierdirektor stellte uns allen die Frage, ob wir nicht auf 30 Minuten verkürzen wollten. In der Zwischenzeit waren wir nur mehr zu zwölft und ich einen Preisgeldsprung weiter oben. Von den verbleibenden 12 Spielern nahmen 11 das Angebot gerne an. Leider war der Spieler aus Italien dagegen. Daher mussten wir eine Stunde in die Pause. In der hatte ich dann die Möglichkeit, mich schon etwas lockerer mit einigen der verbliebenen Gegner zu unterhalten. Ehrlich gesagt, am meisten gefallen hat mir das Kompliment meines polnischen Gegenspielers. Es bewunderte meine geduldige, aber couragierte Spielweise. Er selbst ist in Europa eine fixe Größe und hat heuer alleine bei mehr als 30 internationalen Turnieren den Final Table erreicht – das sagt alles.

Da vor mir Maria von Perger (4. bei meinem Turnier, dem Ladies Event der EPT in Wien) ausgeschied, war ich die letzte verbleibende Frau dieses internationalen Turniers und hatte den Respekt aller meiner Gegner. Nach dem Dinner-Break spielten wir bei nur mehr 12 verbleibenden Spielern 6/ 6 – die Blinds waren: 2000/ 4000/ 500. Kurz darauf waren wir nur mehr zu 10 und spielten (5/5). Ein Platz noch und es wäre der Final Table gewesen. Bei Blinds von 2500/ 5000/ 500 spielte der Italiener an, ich stellte all-in und der Pole callte. Der Italiener foldete, ich lief gegen JJ und das war es. Knapp vor Mitternacht war das Turnier für mich vorbei. Ganz nett fand ich, dass mich alle meine Gegner mit Handschlag vom Tisch verabschiedeten und einige meinten, dass wir uns hoffentlich bei einem der nächsten EPTs wiedersehen.

In der Endabrechnung gab es nach fast 10 Spielstunden abermals den 10. Platz, aber endlich den so lange ersehnten Rang im Geld bei einem großen Turnier. Zusätzlich meinen ersten Eintrag auf Hendon Mob und eine Erwähnung auf „Pokerfirma.com“. Dem knapp verpassten Final Table trauere ich nicht nach – es muss ja Ziele geben. Durch die Bestätigung des Erfolges habe die Gewissheit, kein internationales Turnier mehr fürchten zu müssen und werde weiterhin ab und zu solche Events spielen.

Lg. Astrid & Herwig