Herwig – seine persönlichen Eindrücke von der IPO

Casino_3-PCPLiebe Freunde vom PCP!

Naja, jetzt ist mein Antreten bei der IPO 2014, den Italian Poker Open (internationale Pokermeisterschaft von Italien) aufgekommen. Dass ich das nicht schon vorher gesagt habe hat zwei Gründe:
1.) Ich habe mich erst am Mittwoch (30.04.2014) um 20.00 h, es war gerade der Starttag 1B am laufen, spontan von zuhause aus online für 1C angemeldet und ein Zimmer gebucht. Das heißt, ich bin die Nacht durchgefahren und habe dann nur zwei Stunden geschlafen. Gerade nicht die besten Voraussetzungen – aber es ging.
2.) Ich wollte mich nicht schon vorher „aus dem Balkon lehnen“ und dann nichts Gescheites abliefern.

Robert hat ja schon meine erste Beschreibung des Spielortes auf der Vereinsseite bekanntgegeben, Genaueres werde ich dann persönlich berichten. Daher erst einmal ein Kurzbericht der Tage.

Buy-in: EUR 550,00
Gesamtspieleranzahl: 2.339
Gesamtpreispool: mehr als EUR 1,1 Millionen
Spielort: Casino von Campione d´Italia

Es kann sich niemand die Dimensionen dieses Casinos vorstellen. Es ist mit Abstand das größte Casino in Europa. Wie schon geschrieben – 9 Stockwerke in die Höhe (so im Schnitt um die fünf Meter Raumhöhe, der Festsaal sicher deren zehn), 3 Stockwerke als Parkgarage in die Tiefe, davor ein Parkplatz wie bei der SCS und drinnen mit Rolltreppen und Aufzügen wie in einem Einkaufszentrum. Das muss man erst einmal verdauen. Da aber nicht alle in den großen Festsaal des 9. Stocks passten, wurden auch Turniersäle in anderen Stockwerken ausgelost. Ich zog den 4. Stock – einen ganz ruhigen Raum mittlerer Größe, was mir nicht unrecht war.

TAG 1C:

Startstack: 40K
Beginn: 18:00 h
Spieler: 948
Raum: 4. Stock
Blindlevel: 45 Minuten
Zu spielende Level: 11
Start: 50/ 100
Ende: 03.00 h

Man darf nicht dem Irrglauben unterliegen, dass man ja ohnehin 40K an Startstack hat und dann meint, damit sei leichter zu spielen. Das ist vollkommen egal, denn es kommt früher oder später die Phase, wo sich die „Spreu vom Weizen“ trennt und dann interessiert es niemanden mehr, mit welchem Stack man begonnen hat. Obwohl ich noch nie, auch nur annähernd, derart aggressives Poker, nicht einmal bei der WSOP, erlebt habe (Beispiele im nächsten Absatz), fand ich recht rasch zu meinem Spiel.

– Blinds: 150/ 300, Preflop-Raise-Battle bis 12K (!!!) und call, Flop, all-in und call. A/A gegen 10/10. Als ich dachte, das gibt es nicht zu toppen – bitte: die nächste Hand.

– Ein Spieler geht all-in. Was sagt der Spieler links von ihm darauf? RAISE!!! – ohne Worte.

Ich ließ mich einfach nicht beeindrucken und zog meine Strategie durch. Nach ansprechender Zeit war ich auf 96K. Da gab´s die Katastrophe. Alle folden bis zu mir, hinter mir nur mehr ein Spieler und der hatte die Hälfte von mir. Gut, was soll der schon haben dachte ich mir und stelle ihn, weil er gerade einmal knapp über 50K hatte, all-in. Anders ging es bei der vorherrschenden Spielweise nicht. Ich hatte J/J, dreht er K/K um – Bumm, „… und täglich grüßt das Murmeltier“ – ein Albtraum wie bei bisher jedem Großturnier, nur mit dem Unterschied, dass ich bei der Aktion nicht ausschied. Da war ich runter auf 43K. Fünf Hände später hatte ich 150K – das waren die schlimmsten Minuten im Pokern die ich je erlebt habe. Da verbrauchte ich auch mein „one time“, als ich einen coinflip gegen A/Ko durchbrachte. Danach war es von den Möglichkeiten her eher „lau“ und ich reduzierte mich auf das Halten des Stacks. Da aber doch noch einige Zeit zu spielen war gelang mir das nicht. Lange Rede – kurzer Sinn; ich rettete nur 83,9K in den Tag 2B, beendete den Tag aber als 199. von 443 Spielern, die sich von den 948 gestarteten für 2B qualifizierten. Im overall-ranking für 2B ergab das Platz 231.

TAG 2B:

Startstack: 83,9K
Beginn: 14:00 h
Spieler: 540 (Qualifizierte von 1C und Rest von 1B)
Raum: Festsaal im 9. Stock
Blindlevel: 60 Minuten
Zu spielende Level: nur bis Mitternacht. Das deshalb, weil an 2A die Leute so schnell rausflogen, dass dort auch um Mitternacht abgebrochen wurde. Damit keine Ungleichheit mit 2A bestand, wurde das auch bei uns so gehandhabt.
Start: 1K/ 2K/ 200
Ende: Mitternacht

Ich war sehr froh, dass ich nach meinem Starttag 1C einen Ruhetag hatte. Aber der ging ohnehin mit einem Spaziergang und schlafen drauf – hat mir aber gut getan. Daher war ich ziemlich erholt an Tag 2B angetreten. Beim Spielen ging es aber in der selben „Tonart“ weiter, obwohl man sagen muss, dass die Grundhektik schon sehr gewichen war und es, obwohl noch immer so aggressiv gespielt wurde, ruhiger und überlegter ablief. Was meine ich mit aggressiv? Ich musste mir mit Preflop-Bets von 25K/ 30K und 40K Respekt verschaffen, damit mich am Tisch überhaupt jemand ernst genommen hat. Nur – es ging nicht anders. Diese Spielweise war es auch, die mich auf 272K raufbrachte. Das war aber dann genau das „chipmäßige Grundrauschen“, welches ich für meine Spielweise benötigte. Ihr könnt Euch ausrechnen, was die Blinds und Antes kosteten – vor allem wenn sehr schnell gespielt wird. Leider rettete ich nur 193K in Tag 3. Das hatte aber auch einen Grund. Im letzten Level wurde ich an einen anderen Tisch gesetzt. Rechts von mir „saßen“ 1,1 Millionen Chips, links von mir 0,9 Millionen!!! Da könnt ihr Euch vorstellen, wie „lustig“ es für mich da war. Zweimal probierte ich aufmüpfig zu sein. 1x bekam ich vom Typen rechts eine auf die Fresse, das andere Mal vom Spieler links von mir. Dann dachte ich mir: „Ihr Beide könnt mich mal. Ich spiele einfach den Rest des Levels nicht mehr, dann könnt ihr die anderen aufpflaumen, aber nicht mich“.

An diesem Tag generierte ich dennoch netto mehr als 100K an Chips und wenn man bedenkt, was alleine Blinds, Antes und Flops kosteten, die man durch Chipsgewinne ja wieder reinholen muss, dann war ich damit sehr zufrieden. Das Erreichen von Tag 3 bei solch einem Monsterturnier ist für mich der bisher größte Erfolg, da ich bis dato bei Großturnieren leider immer unglücklich ausgeschieden bin. Aber einmal musste es ja klappen. Den Tag beendete ich an 95. Stelle von 123 Spielern, die sich von den 540 am Tag 2B gestarteten für Tag 3 qualifizierten.

TAG 3:

Startstack: 193K
Beginn: 14:00 h
Spieler: 249 (Gesamtanzahl der Qualifizierten von Tag 2A und 2B)
Raum: Festsaal im 9. Stock
Blindlevel: 75 Minuten
Zu spielende Level: 11 (bzw. bis zu meinem Ausscheiden)
Start: 5K/ 10K/ 1K (der ursprüngliche Strukturverlauf wurde aufgrund der großen Teilnehmeranzahl und des Turnierverlaufes „geringfügig“ geändert, was bedeutete, dass man einzelne Level einfach ersatzlos strich oder die Blindstruktur anpasste).
Ende: Level 21 (leider zu früh)

Nun spielten sämtliche Turnierteilnehmer zusammen im großen Festsaal. Die Stimmung war toll, das Ambiente genial – dennoch kam bei mir keine Freude auf. Normalerweise ist es üblich, dass bei solch großen Turnieren 11 – 12 Prozent der Teilnehmer ins Preisgeld kommen. Denkste – lief da nicht. Beim Main Event der IPO kommen nur 8,5 % der Teilnehmer ins Geld. Was wiederum bedeutete, dass bei 2.339 teilnehmenden Spielern nur 200 ins Geld kamen. Wo lag das Problem? Am Tag 3 starteten 249/ 2.339 Spieler. Das verlangte, dass noch 49 Spieler raus mussten, damit man im Geld ist. 49 klingt nicht viel, aber wer einmal das Knistern und die Stimmung in der Bubble-Phase erlebt hat, der weiß wovon ich spreche. Das ist Stress pur, wenn dann schon Hand für Hand gedealt und jedes all-in/ call in dieser Phase vom Turnierdirektor über das Hallenmikro für alle mitkommentiert wird. Jetzt fand ich das „Überleben“ von Tag 1 schon aufregend. Dann schaffte ich sogar Tag 2. Ja, es mag unbescheiden klingen, aber wenn man Tag 3 erreicht und dann so knapp vor dem ersten ITM des Lebens steht, dann hat man schon ein wenig Stress. Naja, ganz so ein Stress war´s dann für mich doch nicht, eher von der angespannten Stimmung her, weil es von meinem Stack her klar war, dass ich ins Geld komme (solange es mir nicht den Vogel raushaut).

Endlich war die Bubble-Phase überstanden, wir klatschten uns ab, gaben Faust an Faust und dann ging´s weiter. Die Smallstacks, die sich gerade noch ins Geld retteten, die schoben dann alle rein und so war es gar nicht so schwer, auch noch den nächsten Preisgeldsprung (Platz 160 bis 141) zu erreichen (EUR 1.250,00/ Min-Cash waren EUR 1.000,00). Die Blinds lagen zu dem Zeitpunkt bei 8K/ 16K/ 2K – und wer ein wenig nachrechnet, der kann sich leicht ausrechnen, was ein Tischdurchlauf „gekostet“ hat (nur an Blinds und Antes). Gut, ich war schon ein wenig entspannter, aber dennoch sehr konzentriert. Dennoch musste ich bald einmal etwas aus dem Hut zaubern. Da kam mir A (Karo)/Q (Herz) sehr recht. Alle folden – bis auf einen Spieler. Naja, da der eine 3-geschoßige Chipspyramide vor sich hatte, gab ich ihm eher einen loosen Call. War auch so – er callte mich mit K/6 in Karo. Schaut ja nicht schlecht aus dachte ich mir. Aber nur solange, bis der Flop am Tisch lag. Flop: Karo/Karo/Karo – hahaha. Floppte der Gegenspieler second nuts flush. Wenn noch ein Karo gekommen wäre hätte ich nuts flush gehabt. Leider lief das Board rainbow aus und ich musste um 18.45 h bei Blinds von 8K/ 16K/ 2K (Level 21) mit Platz 147/ 2.339 das Turnier verlassen.

Toll fand ich, dass ich von diesem angenehmen Tisch von jedem Spieler mit Handshake verabschiedet wurde und von allen nette Komplimente bekam. In der offiziellen Auswertung des Turniers (Website der IPO) werde ich als 150. geführt. Was aber daran liegt, wie die Dame vom Office die Bustouts in den Rechner eingegeben hat. Aber ob 147. oder 150. – ich bin stolz darauf.

Zusammenfassung:

Absolute Wiederholungsgefahr – sehr sogar und die Erkenntnis, dass ich auch bei großen, internationalen Turnieren vorne mithalten kann und sogar die top-100 möglich gewesen wären. Ich darf mich aber nicht beklagen. Es gab nur zwei Österreicher die ins Geld kamen – Daniel Novak (ein Pokerprofi aus Kärnten) und ich. Wenn es überhaupt 15 Spieler aus der DACH-Region ins Geld schafften, dann ist das schon mehr als hoch gegriffen. Die Gegend, die Leute, das Flair in dieser ganz besonderen Stadt, das war es schon alleine wert. Dann kam auch noch das spielerische Erlebnis dazu; und – der PCP war nicht nur durch seine Clubleiberl vertreten, sondern ist mit seinen Sponsoren sicher auch auf dem einen oder anderen Internetbild zu sehen. Es wurden von vielen Pokerredakteuren Fotos geschossen.

Leider bin ich mir sicher, dass ich das Eine oder Andere vergessen habe zu erwähnen, denn nun packt mich die Müdigkeit. Das werde ich persönlich nachholen – versprochen.

So; das war´s einmal mit einer Zusammenfassung meines Pokererlebnisses aus bella Italia und ich verbleibe mit lieben Grüßen an alle zu Hause.

Bis zum nächsten Clubabend. Euer Herwig!